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OpenAI reicht vertraulichen IPO-Antrag ein und strebt Billion-Dollar-Bewertung an

Nils Liu
OpenAI IPO AI Business Nachrichten Stock Market

Kurzfassung

OpenAI hat am 22. Mai eine vertrauliche S-1-Anmeldung bei der SEC eingereicht und strebt eine Bewertung von 1 Billion Dollar an. Goldman Sachs und Morgan Stanley begleiten den Prozess.

OpenAI reicht vertraulichen IPO-Antrag ein und strebt Billion-Dollar-Bewertung an

OpenAIs Börsengang ist am 22. Mai 2026 von der Spekulation zur Realität geworden. Das Unternehmen hat bei der US-Börsenaufsicht SEC eine vertrauliche S-1-Anmeldung eingereicht und damit den formellen Weg an die Börse eingeschlagen. Goldman Sachs und Morgan Stanley übernehmen das Underwriting. Das Ziel: ein Börsengang im Herbst 2026 mit einer Bewertung von über einer Billion US-Dollar.

Sollte diese Bewertung halten, wäre es der größte Tech-Börsengang der Geschichte, weit vor Facebooks 16 Milliarden im Jahr 2012 und Saudi Aramcos 29,4 Milliarden im Jahr 2019.

Die Zahlen hinter der Meldung

Einige Kennzahlen zeigen das Ausmaß. OpenAI erwirtschaftet monatlich rund 2 Milliarden Dollar Umsatz, was annualisiert mehr als 25 Milliarden ergibt. ChatGPT verzeichnet über 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer und mehr als 50 Millionen zahlende Abonnenten. Der Unternehmensanteil am Gesamtumsatz übersteigt inzwischen 40 Prozent. Eine Finanzierungsrunde im März 2026 über 122 Milliarden Dollar setzte die Privatmarkt-Bewertung auf 852 Milliarden Dollar.

Der IPO zielt auf mehr als eine Billion. Die Lücke zwischen 852 Milliarden und dieser Marke hängt davon ab, wie überzeugend Goldman und Morgan Stanley die Wachstumsstory in den kommenden Monaten präsentieren.

Juristische Hürde fiel kurz zuvor

Am 18. Mai wies eine Bundesgeschworenenjury in Oakland alle Klagen von Elon Musk gegen OpenAI und Sam Altman ab. Reuters bezeichnete das Urteil als “Beseitigung eines wesentlichen rechtlichen Hindernisses vor einem möglichen Börsengang.” Musk kündigte Berufung an, aber die praktische Unsicherheit ist weitgehend beseitigt.

Dass OpenAI unmittelbar nach diesem Urteil die S-1-Anmeldung einreicht, ist kein Zufall. Das Unternehmen wägt seinen Zeitpunkt gezielt nach juristischen Signalen ab.

Unternehmensstruktur vor dem Kapitalmarkt

OpenAI hat in den vergangenen Monaten seine Struktur rund um eine Public Benefit Corporation, die OpenAI Group PBC, neu ausgerichtet. Diese wird von der gemeinnützigen OpenAI Foundation kontrolliert, die rund 26 Prozent der Anteile hält, was zum Zielkurs etwa 130 Milliarden Dollar entspricht. Microsoft hält rund 27 Prozent im Wert von etwa 135 Milliarden sowie eine bis 2032 verlängerte, nun nicht-exklusive IP-Lizenz.

Was öffentliche Investoren noch nicht sehen können: Bruttomargen, die Entwicklung der Rechenkosten, die genaue Ausgestaltung der Microsoft-Partnerschaft und die Stimmrechtsstruktur. Diese Details erscheinen erst in der öffentlichen S-1-Version.

Die vertrauliche Anmeldung nach dem JOBS Act erlaubt es OpenAI, den SEC-Prüfprozess abzuschließen, ohne seine Finanzdaten sofort Wettbewerbern zugänglich zu machen.

Rennen gegen Anthropic und SpaceX

Der Zeitpunkt ist auch wettbewerbsstrategisch. Anthropic prognostiziert für Q2 einen annualisierten Umsatz nahe 44 Milliarden Dollar und hat ebenfalls IPO-Ambitionen signalisiert. SpaceX reichte diese Woche seine S-1-Anmeldung ein, in der der Rechenleistungsvertrag mit Anthropic über 1,25 Milliarden Dollar monatlich offengelegt wurde.

Drei der wertvollsten privaten Tech-Unternehmen könnten um denselben Pool an Kapital aus dem öffentlichen Markt konkurrieren. OpenAIs Logik: den Markt zuerst prägen. Sam Altman hat öffentlich erklärt, dass es “sehr wichtig” sei, als Erstes an die Börse zu kommen.

Was eine Billion Dollar an Multiplikatoren bedeutet

Bei einer Billion Dollar und 25 Milliarden annualisiertem Umsatz würde OpenAI mit dem 40-fachen Umsatz bewertet. Dieser Multiplikator ist für ein Hochwachstumsunternehmen vertretbar, erfordert aber, dass der Markt an drei Dinge glaubt: anhaltendes Umsatzwachstum, sinkende Rechenkosten und eine echte Modellverteidigung.

Cerebras’ 68-Prozent-Kurssprung bei seiner Erstnotiz Mitte Mai hat den Markt aufgewärmt, war aber mit 5,5 Milliarden Dollar eine ganz andere Größenordnung. OpenAIs Emission wird um ein Vielfaches größer sein und die Liquiditätsnachfrage auf einem völlig neuen Niveau testen.

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