Anthropic schließt 65-Milliarden-Dollar-Runde ab und überholt OpenAI mit 965-Milliarden-Bewertung
Kurzfassung
Drei Monate nach ersten Berichten über eine 30-Milliarden-Runde schloss Anthropic nun 65 Milliarden ab – bei 965 Milliarden Bewertung, über OpenAI.
Anthropics Series-H-Finanzierungsrunde schloss am 28. Mai 2026 mit 65 Milliarden US-Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 965 Milliarden Dollar. Es handelt sich um die größte private Kapitalrunde in der Geschichte der Technologiebranche. Anthropic überholt damit OpenAI und wird zum am höchsten bewerteten KI-Unternehmen weltweit.
Noch vor drei Wochen rechnete der Markt mit einer Runde von etwa 30 Milliarden Dollar. Das Ergebnis war mehr als doppelt so hoch.
Wer die Runde anführt
Die Runde wurde gemeinsam von Altimeter Capital, Dragoneer, Greenoaks, Sequoia Capital, Capital Group, Coatue und D1 Capital Partners angeführt. Institutionelle Investoren umfassen Baillie Gifford, Blackstone, Brookfield, D.E. Shaw Ventures, DST Global und Fidelity Management and Research.
Strukturell hebt sich diese Runde durch die Hardware-Dimension ab. Samsung, SK Hynix und Micron traten als strategische Infrastrukturpartner bei, ergänzt durch Amazons früher zugesagte 5 Milliarden Dollar. Anthropics Rechenkapazitätsvereinbarungen umfassen 5 Gigawatt mit Amazon, 5 Gigawatt TPU-Kapazität mit Google und Broadcom sowie GPU-Zugang über SpaceX. Das Kapital fließt direkt an die Hardware-Infrastruktur.
Umsatzzahlen als Rechtfertigung
Eine Bewertung von 965 Milliarden Dollar für ein privates Unternehmen wirft eine naheliegende Frage auf. Anthropics Antwort: ein annualisierter Umsatz von über 47 Milliarden US-Dollar im Mai 2026, mit einer Wachstumsrate von 130 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem Pfad zum ersten operativen Gewinn.
Zum Vergleich: Zu Beginn des Monats Mai lag der annualisierte Umsatz noch bei etwa 30 Milliarden Dollar. Wenige Wochen später waren es 47 Milliarden. Dieses Tempo lässt sich kaum als spekulativ abtun. Kein vergleichbares Softwareunternehmen wuchs in jüngerer Geschichte in dieser Geschwindigkeit auf ähnlichem Niveau.
Die Series-H-Bewertung entspricht etwa dem 20-Fachen des annualisierten Umsatzes. Nvidia wird derzeit mit rund dem 25-Fachen des Umsatzes gehandelt. Die Bewertungsprämie für KI-Unternehmen besteht weiterhin, hat sich aber gegenüber rein spekulativen Bewertungen der Vorjahre erheblich angenähert.
Claude Opus 4.8 am selben Tag veröffentlicht
Parallel zur Finanzierungsmeldung veröffentlichte Anthropic am 28. Mai Claude Opus 4.8.
Die wichtigste Verbesserung liegt in der Zuverlässigkeit bei der Code-Überprüfung: Das Modell übersieht Codefehler mit rund viermal geringerer Wahrscheinlichkeit als Opus 4.7. Gleichzeitig führte Anthropic Dynamic Workflows in Claude Code ein, die die Koordination von Hunderten paralleler Subagenten für umfangreiche Ingenieuraufgaben ermöglichen, etwa Migrationen in Codebasen mit mehreren hunderttausend Zeilen.
Die Preisgestaltung bleibt unverändert bei 5 Dollar pro Million Eingabe-Token und 25 Dollar pro Million Ausgabe-Token über die API.
Das Timing ist kein Zufall. Ein wichtiges Modell und eine Rekordfinanzierung am gleichen Tag zu veröffentlichen, ist eine bewusste Botschaft über Anthropics Produktgeschwindigkeit.
Bedeutung im Hinblick auf einen möglichen Börsengang
Mehrere Quellen beschreiben diese Runde als voraussichtlich letzte private Finanzierung vor einem Börsengang. Eine Bewertung von nahezu einer Billion Dollar setzt eine hohe Untergrenze für die IPO-Preisfindung. Investmentbanken müssen die öffentlichen Märkte davon überzeugen, diesen Wert zu bestätigen oder zu übertreffen.
Laut TechCrunch übersteigt Anthropics Bewertung inzwischen die der meisten S-P-500-Unternehmen. Ein Börsengang im Jahr 2026 erscheint vor diesem Hintergrund plausibel.
OpenAIs letzte private Bewertung lag bei 730 Milliarden Dollar. Anthropic liegt nun mit 965 Milliarden deutlich darüber. Der Bewertungsvorsprung ist für beide Unternehmen spürbar, und OpenAI wird diesen Abstand bei seiner nächsten Kapitalrunde oder beim Börsengang schließen müssen.
Praktische Bedeutung für Entwickler und Unternehmen
Mit 65 Milliarden Dollar frischem Kapital und erklärten Prioritäten beim Ausbau der Rechenkapazität verbessert sich die mittelfristige Verfügbarkeit der Claude-API. Weniger Ratenlimitierungen zu Spitzenlastzeiten sind wahrscheinlich.
Dynamic Workflows in Claude Code erweitern den Anwendungsbereich des Produkts von einem Entwicklungsproduktivitätswerkzeug zu einer Plattform für umfangreiche Ingenieursautomatisierung. Unternehmen, die KI-Coding-Tools evaluieren, haben nun eine neue Referenzgröße zu berücksichtigen.
Die offizielle Ankündigung der Anthropic Series H liefert die vollständige Aufschlüsselung der Kapitalverwendung für Sicherheitsforschung, Rechenkapazität und Produktentwicklung.
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Weiterführende Quellen
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