OpenAI IPO-Prospekt enthüllt Q1 2026: Umsatz verdreifacht, Verluste weiten sich aus
Kurzfassung
OpenAIs S-1-Börsenzulassungsantrag enthüllt Q1-Zahlen: Umsatz verdreifachte sich auf 5,7 Mrd. Dollar, aber die operative Nicht-GAAP-Marge liegt bei -122 %. ChatGPT-Wachstum stagniert, Anthropic holt auf.
Die finanziellen Details aus OpenAIs S-1-Börsenzulassungsantrag sind diese Woche öffentlich bewertet worden. Im ersten Quartal 2026 erzielte OpenAI einen Umsatz von 5,7 Milliarden Dollar, dreimal so viel wie im Vorjahresquartal. Gleichzeitig lag die operative Nicht-GAAP-Marge bei -122 Prozent: Für jeden verdienten Dollar entstand ein Verlust von 1,22 Dollar.
Die Anmeldung wurde im Mai vertraulich bei der SEC eingereicht und Anfang Juni öffentlich bekannt gemacht. Erst diese Woche haben Analysten die Zahlen vollständig aufgeschlüsselt. Ed Zitrons Analyse weist darauf hin, dass die -122 Prozent die Nicht-GAAP-Variante darstellen, bei der umfangreiche nicht-zahlungswirksame Posten herausgerechnet wurden. Die GAAP-Zahlen sind schlechter.
ChatGPT-Wachstum stagniert
Die wöchentlich aktiven Nutzer erreichten im Februar 2026 mit 920 Millionen ihren Höchststand, lagen im Q1-Durchschnitt jedoch nur bei 905 Millionen. Die März-Zahlen gingen gegenüber Februar zurück. OpenAI hatte einmal eine Milliarde wöchentlich aktiver Nutzer bis Ende 2025 angepeilt. Dieses Ziel wird heute nicht mehr zitiert.
Zahlende Kunden gab es rund 55 Millionen, etwa 6 Prozent der wöchentlich Aktiven, verglichen mit 2,6 Prozent im Vorjahr. Der Anstieg erklärt sich hauptsächlich durch günstigere Abomodelle wie den 5 bis 8 Dollar monatlichen Go-Tarif, weniger durch eine echte Zahlungsbereitschaft. Günstigere Einstiegspreise steigern die Kundenzahl und drücken gleichzeitig den durchschnittlichen Umsatz pro Nutzer.
Anthropic holt auf
Anthropic erzielte im ersten Quartal rund 4,8 Milliarden Dollar Umsatz und liegt damit nur noch 900 Millionen hinter OpenAI. Anthropics Q2-Prognose liegt bei 10,9 Milliarden Dollar, der Abstand könnte sich vor dem Sommer weiter verringern.
OpenAI rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einem Umsatz von 30 Milliarden Dollar bei einem Verlust von 36,6 Milliarden. Hardware, Strom und Rechenzentrummieten dominieren die Kostenseite. Allein der F&E-Personalaufwand betrug im ersten Quartal 8,6 Milliarden Dollar. Liquide Mittel und marktgängige Wertpapiere belaufen sich auf über 73 Milliarden Dollar, wobei der Großteil aus Finanzierungsrunden stammt und nicht aus dem operativen Cashflow.
Börsengang bleibt im Plan
Trotz dieser Zahlen hat OpenAI seinen Zeitplan nicht geändert. Das Unternehmen strebt im September 2026 ein Listing an der New York Stock Exchange mit einer Bewertung von rund einer Billion Dollar an, mit Goldman Sachs und Morgan Stanley als federführenden Emissionsbanken. Die vertrauliche S-1-Einreichung letzten Monat war der formelle Startschuss.
Die Anlegerlogik folgt dem Amazon-Muster: AWS verbrannte jahrelang Kapital, bevor es zum Profitmotor von Amazon wurde. KI-Infrastrukturmargen sollten mit zunehmender Skalierung besser werden, Profitabilität wird für 2029 bis 2030 erwartet. Die entscheidende Frage bleibt, ob die Rechenkosten parallel zum Umsatz steigen werden und die Margenverbesserung damit ausbleibt.
Diese Spannung zwischen Wachstum und Kostenstruktur wird im September die zentrale Frage für IPO-Investoren sein.
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