FERC ordnet Netzanschluss-Beschleunigung für KI-Rechenzentren an: Was die Behörde wirklich lösen kann
Kurzfassung
Die US-Energieregulierungsbehörde FERC hat sechs große Netzbetreiber per einstimmigem Beschluss angewiesen, den Netzanschluss für KI-Rechenzentren zu beschleunigen. Die Behörde kann Fristen setzen, aber keine Transformatoren aus dem Boden stampfen.
Am 18. Juni 2026 erliess die Federal Energy Regulatory Commission einstimmig sogenannte Show-Cause-Orders an PJM Interconnection, MISO, Southwest Power Pool, CAISO, ISO-NE und NYISO. Diese sechs Netzbetreiber versorgen rund 200 Millionen US-Amerikaner in mehr als 30 Bundesstaaten. Jeder Betreiber hat 30 Tage Zeit, einen Bericht zur Versorgungskapazität einzureichen, und 60 Tage, um seine bestehenden Netzanschlussregeln zu verteidigen oder zu überarbeiten.
Texas wurde ausgenommen. ERCOT unterliegt nicht der Bundesjurisdiktion und fällt deshalb nicht unter den Beschluss.
Warum sechs Netzbetreiber gleichzeitig eine Anordnung erhielten
Der US-Stromverbrauch von Rechenzentren stieg 2025 um 22 Prozent. Goldman Sachs prognostiziert, dass die Stromnachfrage der Rechenzentren bis 2030 um weitere 165 Prozent wachsen wird. Um diesen Bedarf zu decken, müssten in diesem Jahrzehnt rund 720 Milliarden Dollar in die Netzinfrastruktur investiert werden. Die FERC-Anordnung setzt in allen sechs betroffenen Märkten eine einheitliche Regel: Rechenzentren tragen die vollen Kosten aller Netzaufrüstungen, die für ihren Anschluss erforderlich sind. Bestehende Kunden werden nicht belastet.
Dieses Prinzip der Kostenträgerschaft durch den Anschlussnehmer wurde in US-Strommärkten bislang uneinheitlich angewendet. Die Show-Cause-Orders sollen es vor dem Hintergrund steigender KI-Stromnachfrage vereinheitlichen.
Was die Zahlen tatsächlich bedeuten
Die Anordnungen klingen entschlossen. Die zugrunde liegenden Zahlen sind weniger beruhigend.
In den US-Netzanschlussqueues stecken derzeit rund 2.300 Gigawatt an Anträgen — mehr als die gesamte installierte Erzeugungskapazität des Landes. Jeder Antrag erfordert eine Netzverträglichkeitsprüfung, die ein bis drei Jahre dauert. Danach müssen Übertragungsleitungen gebaut und Umspannwerke aufgerüstet werden, was weitere zwei bis vier Jahre kostet, bevor tatsächlich Strom fliessen kann. Die FERC-Anordnungen verkürzen den regulatorischen Prüfzeitraum. Den Bauzeitraum verändern sie nicht.
Transformatoren sind der konkreteste Engpass. Vor 2020 betrug die Lieferzeit eines Hochleistungstransformators etwa 24 bis 30 Monate. Im Jahr 2026 liegt sie bei über 160 Wochen, also fast dreieinhalb Jahren. Die Auftragsbücher von ABB, Siemens Energy und Hitachi Energy sind bis 2028 und darüber hinaus ausgelastet. Keine Behördenanordnung ändert das.
Eine Fermi-Schätzung verdeutlicht das Ausmass des Problems. Eine NVIDIA H100 GPU verbraucht im Spitzenbetrieb etwa 700 Watt. Ein Server-Knoten mit 8 GPUs benötigt rund 5,6 Kilowatt. Ein Rechenzentrum mit 100 Megawatt kann theoretisch rund 140.000 H100-GPUs aufnehmen. Das von Goldman Sachs prognostizierte Nachfragewachstum von 165 Prozent entspricht in etwa der zusätzlichen Leistung von 40 Kernkraftwerken mit je 2,7 Gigawatt. Regulatorische Verfahren werden in Wochen gemessen. Stromleitungen und Umspannwerke entstehen in Jahren.
Indikatoren, die es zu beobachten gilt
Der Ausschluss von Texas aus der FERC-Anordnung ist das Detail mit der grössten kurzfristigen Wirkung auf Standortentscheidungen. ERCOT erlaubt Rechenzentren, direkt mit Stromerzeugern zu verhandeln, ohne die mehrstufigen Anschlussqueues der federal regulierten Märkte durchlaufen zu müssen. Wenn grosse Cloud-Anbieter in den nächsten sechs Monaten verstärkt Rechenzentren in Texas ankündigen, ist das ein klares Marktssignal.
Das zweite Signal kommt aus dem Kernkraftsektor. Die Verpflichtung zur Kostenübernahme durch den Anschlussnehmer gibt Rechenzentren starke Anreize, eigene Stromerzeugung aufzubauen und die Anschlussqueues zu umgehen. TerraPower und Kairos Power verhandeln aktiv mit grossen Technologieunternehmen über Kooperationen. Die FERC-Anordnung erhöht den Druck auf beiden Seiten.
Der wichtigste, aber am schwierigsten zu messende Indikator: Bewegen sich die Anschlussqueues der sechs Netzbetreiber sechs Monate nach der Anordnung tatsächlich schneller? FERC hat eine Dokumentationsfrist gesetzt, kein Bauprogramm. Wenn die Wartezeiten weiterhin über fünf Jahre liegen, hat die Anordnung Berichte produziert, aber keinen Strom.
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Quellen:
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