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Getty Images schließt Display-Deal mit OpenAI, Aktie steigt 167 Prozent

Nils Liu
Getty Images OpenAI ChatGPT AI Copyright Image Licensing GETY

Kurzfassung

Getty Images und OpenAI schließen einen mehrjährigen Display-Vertrag für ChatGPT. GETY steigt 167 Prozent vorbörslich. Der Vertrag markiert einen strategischen Schwenk nach dem Stability-AI-Prozess.

Getty Images schließt Display-Deal mit OpenAI, Aktie steigt 167 Prozent

Getty Images und OpenAI haben am 21. Juni 2026 eine mehrjährige Display-Vereinbarung bekannt gegeben. Lizenzierte Bilder aus Gettys Inhaltsbibliotheken werden in den Such- und Entdeckungsfunktionen von ChatGPT erscheinen. Die GETY-Aktie stieg im vorbörslichen Handel um bis zu 167 Prozent, von etwa 0,60 Dollar auf einen Höchststand von 1,62 Dollar. Der Börsenwert stieg um rund 159 Millionen Dollar. CEO Craig Peters erklärte: “Hochwertige lizenzierte visuelle Inhalte machen die KI-gestützte Suche nützlicher und vertrauenswürdiger.”

Was dieser Vertrag tatsächlich abdeckt

Viele Berichte überbewerten diese Vereinbarung, weil sie eine entscheidende Unterscheidung auslassen: Es handelt sich um eine Display-Vereinbarung, keine Trainingsdatenlizenz. Getty-Bilder erscheinen in ChatGPT-Suchantworten, ähnlich wie sie bereits in der Google-Bildersuche erscheinen. Das ist rechtlich und kommerziell grundlegend verschieden von der Frage der Trainingsdaten, die betrifft, wie KI-Modelle beim Entwickeln aus Bildern lernen.

Für Getty ist das kein Neuland. Im Oktober 2025 hatte Getty bereits eine ähnliche Display-Vereinbarung mit Perplexity unterzeichnet. Die OpenAI-Version ist die zweite. Shutterstock wählte einen anderen Weg: Das Unternehmen lizenzierte Trainingsdaten früher an OpenAI, gegen eine nicht offengelegte Summe. Adobe Stock hat bislang keine öffentlichen Schritte unternommen. Die drei großen Stockfoto-Plattformen differenzieren sich damit sichtbar.

Der Hintergrund ist entscheidend. Im November 2025 entschied der britische High Court zugunsten von Stability AI: KI-Modellgewichte seien keine “Kopien” der Trainingsbilder im urheberrechtlichen Sinne. Nach diesem Präzedenzfall verlor Gettys Klagestrategie erheblich an Wirkung. Diese OpenAI-Ankündigung liest sich vor diesem Hintergrund eher als Abkehr von den Gerichten und Hinwendung zu Lizenzeinnahmen denn als proaktiver Geschäftspivot.

Ähnliche Dynamiken spielen sich im Medienbereich ab. Laut Reuters Institute Digital News Report nutzen 10 Prozent der globalen Erwachsenen wöchentlich KI-Chatbots für Nachrichten, aber nur 4 Prozent klicken auf Originalquellen durch. Bilder und Text stehen vor demselben strukturellen Problem: KI-Plattformen fangen Traffic ab, Urheberrechtsklagen scheitern vor Gericht, und Lizenzierung ist der verbleibende kommerzielle Weg.

Was die Zahlen wirklich zeigen

Der vorbörsliche Anstieg von 167 Prozent verdient eine genaue Betrachtung. Das tatsächliche Umsatzpotenzial ist weit kleiner als die Marktreaktion andeutet.

Eine Fermi-Schätzung: ChatGPT hat grob 600 bis 700 Millionen Wochennutzer. Bei 15 Prozent bildbezogener Suchanfragen ergibt das rund 100 Millionen Bildanzeigen pro Woche, etwa 5 Milliarden pro Jahr. Bei einem konservativen CPM von 1 Dollar liegt das jährliche Einnahmepotenzial bei 5 bis 10 Millionen Dollar. Gettys Q1-2026-Umsatz betrug 226,6 Millionen Dollar, was einem Jahresumsatz von knapp 900 Millionen Dollar entspricht. Selbst mit großzügigen Annahmen bringt dieser Vertrag unter 2 Prozent des bestehenden Jahresumsatzes.

Die 167 Prozent preisen nicht die Display-Einnahmen selbst ein, sondern die Optionalität: weitere KI-Plattformen folgen dem Beispiel von OpenAI, mögliche Trainingsdatenklauseln in zukünftigen Verträgen, und Getty repositioniert sich vom “Unternehmen, das KI-Firmen verklagt” zum “rechtssicheren visuellen Inhaltspartner für KI”. Nichts davon ist eingetreten.

Ein Detail fehlte in der offiziellen Pressemitteilung via GlobeNewsWire: Getty verwaltet rund 600.000 Content-Creator. Es gibt keine offengelegten Informationen darüber, welcher Anteil dieser neuen KI-Plattformeinnahmen an die Urheber weiterfließt. Shutterstock hatte bei seinem Trainingsdatenvertrag einen Teil der Einnahmen an Creator weitergegeben. Gettys Bedingungen für die Umsatzbeteiligung bei Display-Lizenzen sind nicht öffentlich bekannt.

GETY handelte die meiste Zeit der letzten 12 Monate zwischen 0,50 und 0,80 Dollar, was einer Marktkapitalisierung von grob 250 bis 300 Millionen Dollar entspricht. Bei einem Jahresumsatz von fast 900 Millionen Dollar spiegelt diese Bewertung das nahezu vollständige Vertrauen des Marktes in Gettys Überlebensfähigkeit im KI-Zeitalter wider. Dieser OpenAI-Deal brachte die Marktkapitalisierung kurzfristig in den Bereich von 700 bis 900 Millionen Dollar. Diesen Wert zu halten erfordert messbare Folgeschritte.

Was in den nächsten 90 Tagen zu beobachten ist

Adobe Stock und Reuters Pictures liefern die aussagekräftigsten Signale. Wenn Adobe KI-Display-Einnahmen in den Q3-Quartalsergebnissen erwähnt oder Reuters eine Chatbot-Lizenzvereinbarung ankündigt, schreitet das Muster schneller voran als erwartet. Reuters, AP und Getty halten zusammen Hunderte Millionen Tagesereignisfotos. KI-Suche benötigt diese Bilder für aktuelle Anfragen, was Nachrichtenagenturen mehr Verhandlungsmacht am Lizenztisch verschafft als generischen Stockfoto-Bibliotheken.

Gettys US-Klage gegen Stability AI ist noch aktiv, zuletzt im Januar 2026 in frühen Verfahrensstadien gemeldet. Eine Einigung vor Jahresende würde fast sicher die Form eines Lizenzvertrags annehmen. Die strategische Richtung hat sich bereits geändert; der Rechtsstreit ist der letzte Überrest des vorherigen Ansatzes.

Die Frage der Urheberbeteiligung ist noch nicht zum öffentlichen Streitpunkt geworden, wird es aber. Der Stability-AI-Prozess von 2025 brachte Trainingsdaten und Urheberrecht ins öffentliche Bewusstsein. Diese Display-Lizenzvereinbarung stellt dieselbe grundlegende Frage mit anderer Verpackung.

Welchen Anteil werden Fotografen Ihrer Einschätzung nach tatsächlich erhalten? Die Antwort darauf dürfte spätestens mit dem Q3-Reporting ein klareres Bild bekommen.

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