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Xi Jinping eröffnet WAIC 2026: China gründet KI-Bündnis mit 29 Staaten

Nils Liu
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Kurzfassung

Xi Jinping trat erstmals persönlich bei der WAIC in Shanghai auf, während 29 Staaten eine von China geführte KI-Governance-Organisation gründeten. Ich habe nachgerechnet, was dieser Block wirklich darstellt.

Xi Jinping eröffnet WAIC 2026: China gründet KI-Bündnis mit 29 Staaten

Meine These, und sie lässt sich prüfen: Die neue chinesisch geführte KI-Governance-Organisation, die gerade 29 Unterschriften gesammelt hat, ist eher ein diplomatisches Druckmittel als ein echtes Gegengewicht zu US-europäischen KI-Standards, weil das wirtschaftliche und rechnerische Gewicht ihrer Mitglieder gering ausfällt. Xi Jinping betrat heute bei der Eröffnungszeremonie der World AI Conference in Shanghai die Bühne und hielt die Keynote selbst, zum ersten Mal in der achtjährigen Geschichte der Veranstaltung, dass ein chinesisches Staatsoberhaupt das persönlich tut. Wer bessere Zahlen zur Rechenkapazität oder zum BIP dieser 29 Volkswirtschaften hat als meine Schätzung unten, soll gerne widersprechen.

Was passiert ist: Xis erste WAIC-Keynote, und ein Bündnis einen Tag zuvor

Die 2026 World AI Conference und das High-Level Meeting on Global AI Governance eröffneten am 17. Juli in Shanghai und laufen bis zum 20. Juli, unter dem Motto “Intelligent Partners, Co-create the Future”. Die offiziellen Zahlen: über 140 Foren, rund 1.400 Gäste, 1.100 Aussteller und mehr als 300 Produkte mit Weltpremiere vor Ort. Xi nahm an der Eröffnungszeremonie teil und hielt die Keynote; Außenamtssprecher Lin Jian kündigte an, er werde “systematisch Chinas Politik, Positionen, Visionen und Vorschläge zur KI-Entwicklung und -Governance darlegen”. Es ist Xis erster persönlicher Auftritt bei der Konferenz seit deren Start 2018.

Der folgenreichere Schritt kam einen Tag früher. Am 16. Juli unterzeichneten 29 Staaten, darunter Russland, Belarus, Serbien, Kuba, Brasilien und Venezuela sowie 10 afrikanische und 12 asiatische Länder, ein Abkommen zur Gründung der World AI Cooperation Organization (WAICO) mit Sitz in Shanghai. China hatte die Idee bereits im Juli 2025 vorgestellt; jetzt wurde daraus eine zwischenstaatliche Organisation mit Satzung und Adresse.

Die Zahl hinter der Schlagzeile: 29 Staaten klingen nach viel. Wiegen sie auch viel?

29 Unterzeichnerstaaten klingen nach einer breiten Koalition, bis man die Liste genauer liest. Kein G7-Mitglied ist dabei. Kein EU-Kernstaat ebenfalls nicht. Auch Indien, Japan und Südkorea fehlen, die drei asiatischen Volkswirtschaften mit tatsächlich relevanter KI-Rechenkapazität. Eine grobe Fermi-Schätzung: Russland und Brasilien allein kommen zusammen auf etwa 4,5 Billionen Dollar nominales BIP. Der Rest, Belarus, Serbien, Kuba, Venezuela sowie 22 afrikanische und asiatische Staaten, sind meist kleine bis mittelgroße Volkswirtschaften; selbst großzügig gerechnet kommen wahrscheinlich keine weiteren 2 Billionen Dollar dazu. Zusammengerechnet stellt der Block wohl irgendwo zwischen 5 und 6 Prozent des globalen BIP dar, und dabei ist die härtere Beschränkung noch gar nicht eingerechnet: KI-Chips und Cloud-Rechenkapazität. Die jährlichen Investitionsausgaben eines einzelnen US-Hyperscalers können das kombinierte BIP mehrerer WAICO-Mitgliedstaaten übertreffen.

Das macht WAICO in diesem Stadium eher zu einem diplomatischen Instrument, um sich unter Staaten des Globalen Südens einen Platz am Verhandlungstisch der KI-Governance zu sichern, ein Spiegelbild der US-nahen Koalition, die Sam Altman, Dario Amodei und Demis Hassabis beim gemeinsamen Auftritt auf dem G7-Gipfel im Juni gefordert hatten. Die Variablen, die tatsächlich über die Richtung der KI-Governance entscheiden, Chip-Exportkontrollen und grenzüberschreitende Modell-Lizenzpolitik in den USA und China, bleiben für WAICO vorerst außer Reichweite.

Damit WAICO vom Papier zu einer Organisation mit echtem Biss wird, sollten die nächsten drei bis sechs Monate konkrete technische Standards oder Interoperabilitätsvorgaben liefern, ein besetztes Sekretariat mit echtem Budget, und, am aussagekräftigsten, mindestens ein G20-Mitglied, das beitritt. Aktuell ist bei allen drei Punkten nichts zu sehen.

Kennzahlen für die nächsten Monate

Ob WAICO tatsächlich ein Sekretariat und ein Jahresbudget aufbaut, ist der erste Test, ob die Organisation mehr wird als eine Unterschriftenzeremonie. Ob eine größere Volkswirtschaft, etwa Indonesien, Saudi-Arabien oder Südafrika, während des Konferenzfensters noch unterschreibt, entscheidet, ob dieser Block vom Klub kleiner Staaten zu etwas mit echtem parallelem Gewicht aufsteigen kann. Welche konkrete Position Xis Keynote zu Chip-Exportkontrollen oder Modell-Lizenzierung bezieht, im Gegensatz zu allgemeiner Kooperationsrhetorik, lohnt eine genaue Lektüre. Ob die USA und die EU die Gründung von WAICO als Anlass nehmen, ihre eigene KI-Governance-Koalition zu beschleunigen, ist ein Gegenzug, den man in den kommenden Wochen beobachten sollte. Und ob Shanghais lokale KI-Investitionsdeals mit WAICO-Mitgliedstaaten sich in tatsächlichen Technologietransfer oder Investitionsabkommen niederschlagen, ist der direkteste Test dafür, ob diese Organisation mehr als symbolisch ist.

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Quellen: Staatsrat der Volksrepublik China, South China Morning Post, CNBC Africa, CGTN


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