ASML hat die Untergrenze seiner jährlichen Umsatzprognose angehoben. Gleichzeitig erwartet das Unternehmen, die Kundennachfrage auch 2027 und 2028 mit der geplanten Versorgung nicht vollständig bedienen zu können. Die Zahlen belegen eine starke Nachfrage nach Anlagen zur Herstellung von KI-Chips, aber noch keine baldige Entspannung bei Rechenkapazitäten. Steigen spätere Lieferungen und die nutzbare Kundenkapazität nicht gemeinsam, lässt sich aus Umsatzwachstum kein abgeschlossener Ausbau ableiten.Ergebnisse Unabhängiger Bericht
Ereignis und Artikel sind auf 2026-10-14 datiert. Die weiterverbreitete Unternehmensmitteilung nennt 01:00 EDT, entsprechend 13:00 Uhr in Taipeh. Redaktionsschluss ist 15:50 Uhr in Taipeh. Die Reuters-Kurzmeldung wurde um 05:17 UTC aktualisiert, ebenfalls vor diesem Zeitpunkt. Es handelt sich um neu veröffentlichte Quartalszahlen und einen aktualisierten Ausblick; dieser Artikel verwendet keine Aussagen aus der erst später angesetzten Investorenkonferenz.Mitteilungszeit Berichtszeit
Im dritten Quartal erzielte ASML rund 11,7 Milliarden Euro Umsatz und rund 5,0 Milliarden Euro Nettogewinn bei einer Bruttomarge von 57,5 Prozent. Für das vierte Quartal erwartet das Unternehmen 14,2 bis 15,2 Milliarden Euro Umsatz. Die Jahresprognose verengt sich von 43–45 auf 44–45 Milliarden Euro. Angehoben wird die Untergrenze; die Obergrenze bleibt unverändert. Prognostizierte Erlöse dürfen nicht als bereits realisiert dargestellt werden.Aktuelle Zahlen Bisheriger Ausblick
Vorstandschef Christophe Fouquet erklärt, dass Kunden wegen erwarteter KI-Investitionen ihren Anlagenbedarf weiter erhöhen. Einige haben Interesse an Bestellungen für 2029 und 2030 bekundet. Reuters nennt TSMC, Intel und Samsung als Kunden. Damit betrifft die Nachricht unmittelbar auch Taiwans Fertigungsversorgung. Die Ankündigung verteilt jedoch keine Anlagen auf einzelne Kunden. Aus der Gesamtnachfrage lässt sich kein Lieferplan für TSMC ableiten; Bestellinteresse ist auch noch kein unterschriebener langfristiger Auftrag.Nachfrage und Kunden Status des Interesses
Bestandsaufrüstungen bringen Umsatz, während neue Anlagen noch fehlen
Nach Angaben von ASML erreichte Installed Base Management rund 3,3 Milliarden Euro Umsatz. Die Nachfrage nach Produktivitätsaufrüstungen übertraf die Erwartungen und verbesserte auch die Bruttomarge. Dieser Geschäftsbereich umfasst Dienstleistungen und vor Ort installierte Aufrüstungen; sein gesamter Umsatz darf nicht als reiner Softwareverkauf behandelt werden. Diese Effekte sind bereits im Quartal enthalten und befinden sich in einem anderen Stadium als der vorbereitete Ausbau künftiger Lieferkapazitäten.Betriebliche Erklärung
Ich sehe im Aufrüstungsgeschäft den direkteren Produktbeleg dieser Ergebnisse: Kunden kaufen Verbesserungen für vorhandene Anlagen. Nicht jedes Wachstum muss somit auf eine neue Maschine warten. Für Anbieter von Anlagen und Industriesoftware zeigt das einen konkreten Bedarf. Verbesserungen an bestehenden Anlagen können aktuelle Einschränkungen möglicherweise schneller adressieren als zusätzliche Optionen für neue Maschinen.
Der Umsatz erfasst die Verkaufsergebnisse des Unternehmens. Die Ergebnisse nennen keine tatsächlich erzielte Zusatzproduktion dieser Aufrüstungen bei den Kunden. Ebenso fehlen ausreichende Daten, um ASMLs höhere Marge in niedrigere Stückkosten der Kunden umzurechnen. Wie stark Aufrüstungen den Kapazitätsdruck mindern, erfordert Angaben zum jeweiligen Anlagentyp, zur Produktion und zu Ausfallzeiten. Eine höhere Marge des Lieferanten ersetzt keinen Nachweis höherer Fertigungseffizienz beim Kunden.
Das Kapazitätsziel für 2028 muss noch umgesetzt werden
ASML untersucht Möglichkeiten, die Kapazität für 2028 über die bereits angekündigte Erweiterung um 30% hinaus zu erhöhen. Laut einer Fußnote betraf der bisherige Plan Low-NA-EUV und Immersions-DUV. Neu ist die heutige Einschätzung, dass die geplante Versorgung nicht ausreicht und zusätzliche Erweiterungen geprüft werden müssen. Ein abgeschlossener Ausbau ist das nicht.Planungsstand Ich würde Zusagen deshalb getrennt von tatsächlichen Lieferergebnissen beurteilen. Anlagenbestellungen zeigen Investitionsbereitschaft, belegen aber nicht unmittelbar, wie viele KI-Chips in einem bestimmten Quartal verfügbar sein werden. Auch Preise für Cloud-Inferenz lassen sich aus diesen Ergebnissen allein nicht abschätzen.
Der Ausbau hat zudem eine zeitliche Begrenzung. Reuters zufolge wird die erste Phase der Erweiterung in Eindhoven, deren Bau im vergangenen Monat begann, erst 2029 fertig. ASML braucht deshalb andere Wege, um frühere Nachfrage zu bedienen.Bauzeitplan Aufrüstungen vorhandener Anlagen können während dieser Wartezeit helfen. Es fehlen aber ausreichende Belege dafür, dass sie die gesamte Lücke schließen können.
Die angehobene Prognose gibt Anlagenlieferanten mehr Anlass, in Kapazität zu investieren. Verbesserungen bestehender Maschinen sind bereits durch realisierte Erlöse gestützt. Als nächste Ergebnisse würde ich beobachten, ob zusätzliche Anlagen termingerecht eintreffen und wie viel nutzbare Produktion Upgrades ermöglichen. Ersteres bestimmt den Zeitpunkt des Ausbaus, Letzteres die Verbesserungsmöglichkeiten während der Wartezeit. Beides liegt näher am tatsächlichen Angebot an KI-Chips als die Kaufabsicht allein.
Das Titelbild verwendet das vorhandene Foto eines TSMC-Standorts und zeigt damit die Fertigungsseite eines ASML-Kunden. Es zeigt weder ein ASML-Werk noch diese Ergebnispräsentation. Bilder aus der Berichterstattung konnten wegen eines DNS-Auflösungsfehlers nicht heruntergeladen werden.
Quellen: